Die Geschichte der Pfarrgemeinde St. Christophorus ist untrennbar mit der Entwicklung der Wohnstadt Gravenbruch verbunden. Aus einer zunächst kleinen Gemeinschaft katholischer Familien, die sich in provisorischen Räumlichkeiten zum Gottesdienst versammelte, entstand innerhalb weniger Jahrzehnte eine lebendige und eigenständige Pfarrgemeinde mit Kirche, Kindergarten, Gemeindezentrum und einem vielfältigen Gemeindeleben. Die Entwicklung der Gemeinde spiegelt zugleich das Wachstum Gravenbruchs und das Engagement zahlreicher Gemeindemitglieder wider.
Die Anfänge unserer Gemeinde
Mit dem ersten Spatenstich für die Wohnstadt Gravenbruch am 5. Dezember 1960 begann die Entstehung eines neuen Stadtteils von Neu-Isenburg. Bereits am 15. Juli 1962 bezogen die ersten Familien ihre Wohnungen. Die Zahl der Einwohner wuchs rasch, wodurch auch das Bedürfnis nach einer kirchlichen Betreuung zunahm.
Eine wichtige Rolle spielte dabei Rudolf Gessner aus Offenbach, der als Initiator der Wohnstadt die kirchlichen Behörden auf die seelsorgerischen Bedürfnisse der neuen Bewohner aufmerksam machte. Durch seine Bemühungen wurde die katholische Gemeinschaft zunächst als Filiale der Pfarrei „Zum Heiligen Kreuz“ in Neu-Isenburg eingerichtet und von Pfarrer Bachus betreut.
Am 29. Juli 1962 feierte die junge Gemeinde ihren ersten katholischen Gottesdienst. Die Messfeiern fanden zunächst im Forsthaus Gravenbruch statt. Später wurden sie in einer Baubaracke und ab 1963 in der Turnhalle der Ludwig-Uhland-Schule gehalten, die von der Stadt Neu-Isenburg zur Verfügung gestellt wurde.
Am 1. Januar 1964 errichtete der Bischof von Mainz die Kirchenstiftung Gravenbruch. Damit entstand eine eigene kirchlich-rechtliche Gemeinschaft mit einem Kirchenstiftungsrat. Gleichzeitig wurden die Planungen für ein katholisches Gemeindezentrum konkretisiert. Bereits 1962 hatte Rudolf Graf von Schönborn-Wiesentheid den beiden christlichen Gemeinden Grundstücke am Dreiherrnsteinplatz geschenkt und damit die Grundlage für die spätere kirchliche Entwicklung geschaffen.
Gründung und Kirchenbau
Ein entscheidender Schritt erfolgte am 1. Oktober 1964. Der Bischof von Mainz löste die Kirchenstiftung von der Pfarrei „Zum Heiligen Kreuz“ und erhob sie zur selbstständigen Pfarrkuratie „Sankt Christophorus“. In einem feierlichen Gottesdienst verlas Dekan Neidig aus Obertshausen die Stiftungsurkunde und führte Pfarrer Heinrich Staudt als ersten Pfarrer der neuen Gemeinde ein.
Bereits am 20. Oktober 1964 begannen die Bauarbeiten für die neue Kirche. Wenige Monate später, am 16. Januar 1965, legte Generalvikar Prälat Ludwig Haenlein den Grundstein für das Gotteshaus. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde außerdem der neu errichtete Kindergarten eingeweiht.
Nach rund zweijähriger Bauzeit konnte die neue Kirche am 19. Februar 1967 durch den Mainzer Bischof Hermann Volk feierlich geweiht werden. Die Gemeinde verfügte nun über ein eigenes geistliches Zentrum, das zum Mittelpunkt des religiösen Lebens in Gravenbruch wurde.
Aufbau des Gemeindelebens
Mit der Fertigstellung der Kirche begann eine Phase des Aufbaus und der Konsolidierung. Am 28. April 1968 wurde der erste Pfarrgemeinderat gewählt und damit die Mitverantwortung der Gemeindemitglieder gestärkt.
Nach sieben Jahren engagierter Tätigkeit wurde Pfarrer Heinrich Staudt am 22. August 1971 verabschiedet. Sein Nachfolger, Pfarrer Willi Heinrich Knapp, wurde am 26. September 1971 in sein Amt eingeführt.
Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Projekte verwirklicht. Am 7. Oktober 1973 wurde eine neue Altarwand eingeweiht. Ein Jahr später, am 13. Juni 1974, fand die erste Fronleichnamsprozession in Gravenbruch statt – ein bedeutendes Zeichen der Verwurzelung der Gemeinde im öffentlichen Leben des Stadtteils.
Mit dem Richtfest für das neue Gemeindezentrum am 11. September 1974 begann ein weiteres wichtiges Kapitel. Das Edith-Stein-Zentrum wurde am 13. September 1975 seiner Bestimmung übergeben und entwickelte sich rasch zu einem Ort für Begegnung, Bildung und Gemeindeveranstaltungen.
Zu den weiteren Höhepunkten dieser Jahre gehörten:
– die Eröffnung der Pfarrbücherei am 15. November 1977,
– die Weihe des Christophorus-Mosaiks an der Außenwand der Kirche im August 1978,
– die Anschaffung der neuen Weihnachtskrippe im November 1978,
– sowie die Weihe der neuen Kirchenorgel am 6. Dezember 1978.
Unsere Gemeinde in den 1980er Jahren
Die 1980er Jahre waren geprägt von einem lebendigen Gemeindeleben und zahlreichen pastoralen Aktivitäten. Ein besonderer Höhepunkt war die Rundfunkübertragung des Pfingstgottesdienstes am 20. Mai 1983, wodurch die Gemeinde über die Grenzen Gravenbruchs hinaus wahrgenommen wurde.
Im Jahr 1984 endete die Amtszeit von Pfarrer Willi Heinrich Knapp. Gleichzeitig kam Sabine Kootz als Gemeindereferentin nach Gravenbruch. Außerdem wurde der Pfarrverband Neu-Isenburg gegründet. Am 8. Juli 1984 wurde Pfarrer Norbert Bachus als neuer Pfarrer eingeführt.
Die Gemeinde erhielt in den folgenden Jahren weitere pastorale Verstärkung: 1985 wurde Diakon Franz-Josef Jertz eingeführt.
Im selben Jahr wurde Pfarrer Bachus zum Geistlichen Rat ernannt. Kaplan Olaf Schneider kam 1988 nach Gravenbruch und wurde später durch Kaplan Cesar Zienkiewicz ersetzt.
Auch internationale Begegnungen prägten das Gemeindeleben. 1987 und 1989 wurden Reisen nach Israel durchgeführt. Ebenfalls hervorzuheben ist der erste Weihnachtsmarkt, der Ende November 1987 stattfand und sich zu einer festen Tradition entwickelte.
Jubiläen und Erneuerungen in den 1990er Jahren
Das Jahr 1990 stand ganz im Zeichen bedeutender Jubiläen. Der Kindergarten St. Christoph feierte sein 25-jähriges Bestehen, und die Pfarrkirche beging ihr silbernes Jubiläum. Aus diesem Anlass wurde am 29. März 1990 ein Jubiläumskonzert veranstaltet.
1992 erhielt die Gemeinde mit Alexander Albert einen neuen Gemeindereferenten. In den folgenden Jahren wurden umfangreiche bauliche Maßnahmen durchgeführt. Nachdem der alte Kindergarten 1993 abgerissen worden war, zog der Kindergarten vorübergehend in das Edith-Stein-Zentrum um. Am 16. Juni 1994 erfolgte der erste Spatenstich für einen Neubau, der am 27. August 1995 feierlich eingeweiht wurde.
Auch die Bücherei entwickelte sich weiter. Nach einem vorübergehenden Umzug erhielt sie 1997 neue Räumlichkeiten. Ein weiterer bedeutender Moment war die Heiligsprechung Edith Steins am 11. Oktober 1998. Da das Gemeindezentrum ihren Namen trägt, wurde dieses Ereignis von der Gemeinde besonders aufmerksam verfolgt.
Aufbruch ins neue Jahrtausend
Nach vielen Jahren engagierten Wirkens wurde Pfarrer Norbert Bachus am 5. August 2001 in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Pater Francis Parakkal C.M.I., der am 9. September 2001 als neuer Pfarrer begrüßt wurde.
Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren von weiteren kulturellen und organisatorischen Entwicklungen geprägt. Im Jahr 2002 veranstaltete die Gemeinde ein Chorkonzert im Rahmen der Kirchenmusiktage. Zudem feierte die Pfarrbücherei ihr 25-jähriges Bestehen.
Im Jahr 2003 wurde Gemeindereferentin Sabine Kootz verabschiedet. Im selben Jahr fand ein Festgottesdienst mit dem Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann statt. Ein weiterer Meilenstein war die Digitalisierung der Gemeinde: Am 29. Juni 2003 ging die Internetseite der Pfarrgemeinde online.
Im Jahr 2004 konnten wir im Oktober 2004 unser 40-jähriges Bestehen als eigenständige Pfarrgemeinde feiern. Dieses Jubiläum stellte einen würdigen Anlass dar, um auf vier Jahrzehnte kirchlichen Lebens in Gravenbruch zurückzublicken.
