Die Heilige Edith Stein ist die Namenspatronin der neuen Pfarrgemeinde. Aber wer ist/war Sie?
Hl. Edith Stein (1891–1942)
Philosophin, Christin, Karmelitin, Märtyrerin – eine Heilige unserer Zeit
Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau (heute Wrocław, Polen) in eine jüdische Familie geboren. Schon früh zeigte sie eine außergewöhnliche geistige Begabung. Sie studierte Philosophie, Geschichte, Germanistik und Psychologie in Göttingen und Freiburg und wurde Schülerin und Assistentin des berühmten Phänomenologen Edmund Husserl. 1916 promovierte sie mit Auszeichnung.
In ihrer Suche nach Wahrheit und Sinn stieß sie auf die christliche Mystik, insbesondere auf die Schriften der heiligen Teresa von Ávila. Ihre intensive geistige Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben führte 1922 zur Konversion. Sie ließ sich in Bad Bergzabern katholisch taufen. Für sie war dies kein Bruch mit ihren jüdischen Wurzeln, sondern die Erfüllung ihrer geistlichen Suche.
In den folgenden Jahren wirkte Edith Stein als Dozentin, Autorin und Vortragende – vor allem zu Fragen der Bildung, Frauenrolle, Ethik und Philosophie. Sie war eine gefragte Rednerin im katholischen Bildungswesen. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1933 durch das nationalsozialistische Regime von ihrer Lehrtätigkeit ausgeschlossen. Noch im selben Jahr trat sie in den Kölner Karmel ein und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce („Theresia, vom Kreuz Gesegnet“) an.
Mit der zunehmenden Bedrohung durch das NS-Regime wurde sie 1938 in das Kloster im niederländischen Echt verlegt. Auch dort war sie nicht sicher: Nach der Verhaftung katholischer Juden als Vergeltung für einen Protest der niederländischen Bischöfe wurde Edith Stein am 2. August 1942 zusammen mit ihrer Schwester Rosa von der Gestapo abgeholt und ins KZ Auschwitz deportiert. Dort wurde sie am 9. August 1942 ermordet.
Edith Stein wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. selig- und 1998 heiliggesprochen. Ein Jahr später ernannte er sie zur Mitpatronin Europas, neben Hl. Birgitta von Schweden und Hl. Katharina von Siena.
Ihr Leben verbindet auf einzigartige Weise Glaube und Wissenschaft, Judentum und Christentum, geistige Tiefe und konkretes Zeugnis. Sie gilt als Brückenfigur zwischen den Religionen und Kulturen, als Vorbild für Frauen und Intellektuelle in der Kirche – und als stille Zeugin der Wahrheit in einer dunklen Zeit.

